So nutzen Sie Social Media für Ihren Praxisbetrieb

21.07.2021 |

Katalysiert durch Corona integrieren wir Social Media mehr und mehr in unseren Alltag. In Deutschland allein nutzen 38 Millionen Menschen die Online-Netzwerke, das sind 45 Prozent der Bevölkerung. Ärzte und Psychotherapeuten können das nutzen.

Social Media kann Ihrer Praxis – richtig eingesetzt – einen Mehrwert bieten: Sie können die Patientenkommunikation vereinfachen, sich als attraktiven Arbeitgeber für potentielle Mitarbeiter präsentieren oder aber Patienten und Kollegen mit interessanten Inhalten begeistern. Dabei ist Konsistenz der Schlüssel. Es ist nicht wichtig, auf allen Plattformen vertreten zu sein. Vielmehr ist es essenziell, sich zielgruppenorientiert für eine oder mehrere Plattformen zu entscheiden, sofern Sie diese regelmäßig bespielen. Die laufende Interaktion mit anderen Usern und die Reaktion auf Anfragen und Kommentare sind elementar. Wird Ihre Social-Media-Präsenz nicht regelmäßig für neue Inhalte genutzt, wird der Algorithmus Sie nicht mehr auf den ersten Plätzen Ihrer Follower platzieren. Posten Sie mindestens ein Mal pro Woche.

Ebenso spielt der Zeitfaktor eine große Rolle. Regelmäßig hochwertigen, neuartigen Content zu veröffentlichen, kostet Zeit. Es lohnt sich, einen konkreten Redaktionsplan für jedes Quartal im Voraus zu erstellen und ein Teammitglied als Social-Media-Beauftragten einzusetzen. Ein paar Inhalte kann man schon im Vorhinein erstellen und mit sog. Social-Media-Management-Tools (wie Later, Buffer, Agora Pulse, Sprout Social oder Hootsuite) vorab programmieren und automatisch veröffentlichen lassen. So haben Sie unter der Woche nicht den Stress, sich hierum kümmern zu müssen.

Gerade in der andauernden Pandemie kommunizieren Praxen vermehrt über soziale Medien mit ihren Patienten. Diese erhalten so Einblicke in das Praxisgeschehen und erfahren in Zeiten des stetigen Wandels von Neuigkeiten in der Praxis (von COVID-Updates über Änderungen der Öffnungszeiten bis hin zu Urlaubszeiten). Gleichzeitig bietet es potenziellen Patienten die Chance, das Team sowie die Abläufe Ihrer Praxis kennenzulernen. Durch diese Transparenz räumen Sie etwaige Sorgen im besten Fall bereits im Vorfeld aus. Diese Art des digitalen Erstkontaktes stellt einen sehr nahbaren Ansatz dar, da der Patient von Zuhause einen Blick hinter Ihre Kulissen werfen kann. So entwickeln Sie Ihre Social-Media Strategie:

 

Was und wen möchten Sie mit Social Media für Ärzte erreichen?

Die Auswahl zwischen den verschiedenen Portalen gestaltet sich als kompliziertes Unterfangen. Bei der Menge an sozialen Netzwerken ist es wichtig, sich zu fragen, wen Sie erreichen wollen und was Ihr Ziel ist. Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Sie können sowohl Neupatienten als auch potenzielle Mitarbeiter durch Social-Media-Portale erreichen. Durch sogenanntes Employer-Branding können Sie nämlich durch einen gelungenen Online-Auftritt potentielle Mitarbeiter begeistern und sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren.

Die Festlegung der Zielgruppe spielt eine elementare Rolle. Definieren Sie Ihre Zielgruppe klar und richten Sie Ihre Social-Media-Strategie daran aus. Hierbei ist es essenziell, sich konkrete, messbare, aber auch realistische Ziele zu setzen, die in einem bestimmten Zeitraum zu erreichen sind. Das kann zum Beispiel sein, bis zum Ende des Quartals die Follower-Zahl um 200 zu erhöhen oder durchschnittlich 40 Likes pro Posting zu erreichen oder mind. 5 Kommentare zu erhalten oder bis zum Ende des Jahres, die Followerzahl um 10% zu erhöhen.

Halten Sie Ihr Ziel oder Ihre Ziele schriftlich fest und setzen sich spätestens nach Ablauf dieses Zeitraums hin und überprüfen Sie die Ergebnisse. Schauen Sie in die Analysen Ihres Profils. Was hat funktioniert, was hat nicht funktioniert und warum? Wie sieht es bei den Wettbewerbern aus? Gerne sind wir Ihnen dabei natürlich behilflich.

 

Wo erreiche ich meine Zielgruppe?

Von Facebook über Instagram bis hin zu TikTok ist alles möglich. Sie haben die Qual der Wahl! Abhängig von der Zielgruppe sind Social-Media-Plattformen jedoch unterschiedlich effektiv. Ältere Menschen erreichen Sie über andere Netzwerke als junge Patienten. Je klarer das Bild Ihres Wunschpatienten ist, umso einfacher ist es, die Social-Media-Strategie daran ausrichten.

 

Instagram

Instagram ist neben Facebook das beliebteste Soziale Netzwerk. Bei Instagram liegt der Fokus auf visuell ansprechenden Fotos und Videos. Es eignet sich besonders dafür, auf unkomplizierte Art und Weise nicht nur Fotos oder Videos mitsamt einer Bildunterschrift zu veröffentlichen, sondern auch sogenannte Storys. In den Storys können kurze Videos oder Fotos hochgeladen und beispielsweise mit Musik hinterlegt werden. Genauso können Sie hier Umfragen erstellen, Patienten Fragen stellen lassen oder Ihr neues Posting bekannt machen. Sie können die Story-Funktion auch nutzen, um Ihre Praxis und Ihre Leistungen vorzustellen, oft gestellte Fragen von Patienten zu beantworten oder Blogartikel zu bewerben.

Instagram Stories sind für Ihre Follower 24 Stunden sichtbar und können zusätzlich im Profil gespeichert werden. Die Story-Funktion ermöglicht Ihnen, Ihre Patienten aktiv werden zu lassen und stärkt so den Dialog und die Patientenbindung.

 

Facebook

Bei Facebook kann auf unkomplizierte Art und Weise eine Praxisseite erstellt werden. Dieses Netzwerk eignet sich aufgrund der hohen Mitgliederzahl zur Zielgruppenerweiterung. Auf Ihrem Praxisprofil können Sie von Praxisinformationen bis hin zu automatischen Antworten auf Patientenanfragen viele Möglichkeiten nutzen. Ebenso bietet Facebook eine Bewertungsfunktion und eignet sich besonders für öffentlichkeitswirksame Aktionen, wie zum Beispiel einem Aufruf nach Stammzellspenden. Ein Post kann unkompliziert mit dem gesamten eigenen Netzwerk geteilt und dann weiter verbreitet werden. Auch Facebook bietet die Storyfunktion an. Hier können – ähnlich wie bei Instagram – für 24 Stunden sichtbare Inhalte veröffentlicht werden.

 

Twitter

Twitter stellt ebenfalls ein beliebtes Medium dar, ist aber aufgrund der begrenzten Wortanzahl pro Tweet eher geeignet, um Links oder kurze Statements oder Neuigkeiten zu veröffentlichen.

 

YouTube

YouTube ist ein Social-Media-Kanal auf dem man Videos veröffentlichen kann. Dies wird noch nicht von so vielen Ärzten und Praxen genutzt. Somit ist es möglich, hier einen eventuellen Vorsprung zu nutzen und auszubauen. Es bietet sich an, Videos zu posten, in denen Sie Ihre Kernkompetenzen erläutern. Als Zahnarzt könnten Sie beispielsweise den Aufbau eines Zahnimplantates zu erklären oder die Vorgehensweise bei einem Bleaching. Dermatologen könnten Patienten über den idealen Lichtschutzfaktor in Tagescremes aufklären oder Orthopäden über den Aufbau der Wirbelsäule. Lassen Sie Patienten durch dieses Medium an Ihrem Fachwissen teilhaben und geben Sie hier Antworten au häufig gestellte Fragen.

 

TikTok

TikTok ist ein relativ neues chinesisches Videoportal, das sich nun auch in unseren Breiten an immer größerer Beliebtheit erfreut. Es ist als App verfügbar und wird hauptsächlich für die Erstellung von Kurzvideos benutzt. Sie können sich das wie die Instagram Stories vorstellen. Einige wenige Praxen benutzen dieses Medium bereits und veröffentlichen dort kurze Videoclips mit Inhalten aus ihrem Praxisalltag. Bisher ist TikTok jedoch hauptsächlich bei einer jungen Zielgruppe beliebt und wird meist informell genutzt. Sie sollten die Entwicklung jedoch beobachten, da sich das schnell ändern kann. Denn der Trend geht immer mehr in Richtung Videoformat.

 

Achten Sie auf diese 4 Stolperfallen!

So sehr Sie mit der richtigen Social-Media-Strategie für Ärzte von den sozialen Netzwerken profitieren können, gibt es im Netz ein paar Stolperfallen.

  1. Datenschutz und Schweigepflicht
    Wie immer gilt, der Datenschutz Ihrer Patienten hat oberste Priorität! Patienten müssen immer um Erlaubnis gefragt werden, wenn Daten oder Krankengeschichten verwendet werden und auch durch Informationen aus verschiedenen Plattformen dürfen keine Rückschlüsse auf die Person möglich sein. Im besten Fall lassen Sie sich das Einverständnis sogar schriftlich geben. Ein Beispiel aus der Praxis ist die Verwendung von Vorher-Nachher-Fotos. Sie können durch die Verwendung dieser Bilder potentielle Neupatienten von Ihrer Arbeit überzeugen und mit Zustimmung des Patienten beispielsweise Bilder einer gelungenen Zahnkorrektur, Schönheitsoperation oder Narbenentfernung veröffentlichen.
  2. Trennung von Beruf- und Privatleben
    Ihr Privatleben sollte von Ihrem Berufsleben in den sozialen Netzwerken strikt getrennt sein. Legen Sie ein Praxisprofil an und verweisen Sie darauf, falls Patienten Ihnen persönliche Freundschaftsanfragen schicken sollten. Letztendlich bleibt es Ihnen überlassen, wie privat Sie sich auf Ihrem Praxisprofil zeigen möchten. Selbstverständlich freuen sich Patienten über Nahbarkeit und Menschlichkeit. Wichtig ist hier nur, das professionelle Verhältnis zu wahren und eine klare Grenze zu Ihrem Privatleben zu ziehen.
  3. Umgangston beachten
    Entsprechend dem ärztlichen Berufsrecht, sollte ein höflicher Umgangston eine Selbstverständlichkeit sein. Beleidigungen oder unsachliche Kritik an der Arbeit Ihrer Kollegen sollten unter allen Umständen unterlassen werden. Nicht nur sind solche Äußerungen berufswidrig, gleichzeitig werfen Sie ein schlechtes Licht auf Sie.
  4. Fernbehandlungsverbot
    Prinzipiell ist es Ihnen untersagt, persönliche Diagnosen ausschließlich über digitale Kommunikationsmittel zu stellen. 2018 wurde zwar eine Lockerung des Fernbehandlungsverbotes für Ärzte umgesetzt, bis zum Lockdown war die Online-Sprechstunde allerdings die Ausnahme in deutschen Praxen. Es ist zu beachten, dass Sie abgesehen von der Videosprechstunde über die sozialen Netzwerke keine gesundheitlichen Fragen für Patienten beantworten sollten. Nicht nur sind soziale Medien keine angemessene Kommunikationsform für höchstpersönliche Belange, ebenso ersetzt der Kontakt hier keinen persönlichen Arztbesuch oder ein direktes Gespräch.

 

zusammengestellt von Friederike Wiegand |
Weisskonzept OG Die Agentur für den Gesundheitsmarkt